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Wilhelm-Leuschner-Schülern sammeln Lebensmittel für Menschen ohne Wohnsitz

18.12.2017

ECHO ONLINE / LOKALES / DARMSTADT 16.12.2017

Zahlreiche Sachspenden sind bei der Aktion der Klasse 8a der Wilhelm-Leuschner-Schule zugunsten der „Teestube Konkret“ zusammengekommen. Foto: Andreas Kelm

Von Miriam Gartlgruber

BESSUNGEN – „Bitte spenden!“ steht auf den handgeschriebenen und mit Fotos beklebten Plakaten, die überall an Türen und Treppenaufgängen in der Wilhelm-Leuschner-Schule hängen. Eine Woche lang hat die Klasse 8a an ihrer Schule Lebensmittel- und Sachspenden für wohnsitzlose Menschen gesammelt, nun sollen sie übergeben werden. „Das Projekt wurde in Kooperation mit der Teestube Konkret, einer Einrichtung des Diakonischen Werkes, durchgeführt und wie in den Vorjahren, durch Pfarrer Andreas Schwöbel initiiert“, erklärt Klassenlehrerin Kathrin Baumann.

 Obdachlosigkeit war Thema im Unterricht In diesem Jahr sei ihre 8a ausgewählt, „weil sie sehr sozial sind“. Den Schülern hat die Aktion gefallen, denn: „Nach einer guten Tat, fühlt man sich auch gleich selbst viel besser“, wie der dreizehnjährige Baran erklärt. Im Vorfeld hatte die Klasse in Ethik das Thema  Obdachlosigkeit durchgenommen, dabei wurden Fragen beantwortet: etwa, wie man obdachlos wird, wie lange es dauert, eine Sozialwohnungen zu bekommen oder in welchem Land es die meisten Obdachlosen gibt.

„Interessant war zu erfahren, dass die Zahl der weiblichen und der männlichen Obdachlosen in Deutschland etwa gleich ist, die Männer aber stärker auffallen“, erzählt Emira. Auch die Führung durch die Teestube, bei der die Klasse Einblick in die Welt dort erhielt, hat die Vierzehnjährige berührt und ihr geholfen: „So konnten wir beim Sammeln der Spenden emotional einen direkten Bezug herstellen, da wir ja nun wussten wohin sie gehen werden“, erklärt sie.

 Die Teestube in der Alicenstraße arbeitet auf Spendenbasis, bietet hilfsbedürftigen Menschen Beratung in schwierigen Lebenslagen, medizinische Hilfe, die Möglichkeit zu duschen sowie kostenfreie heiße Getränke. Auch werden regelmäßig Lebensmittel und Hygieneartikel an die Wohnsitzlosen verteilt.

 Um die Arbeit dort zu unterstützen, regte Schwöbel, der an der Wilhelm-Leuschner-Schule Ethik unterrichtet, vor fünf Jahren an, die Teestube mit einer Lebensmittelspendenaktion an der Schule, zu unterstützen. Er sagt: „Wir leben materiell in einer überwiegend wohlhabend und reichen Welt. Doch viele Menschen erreichen diesen Wohlstand nicht oder sind durch tragische Umstände aus einem Wohlstand herausgefallen. Ich sehe es als eine Pflicht an, Menschen wenigstens zeichenhaft zu unterstützen. Und das immer wieder neu“.

 Dass viele andere genauso denken, zeigen die eingegangenen Spenden: Kistenweise wurden Deos, Duschgels, Zahnbürsten und Einwegrasierer, aber auch abgepackte Lebensmittel, Kleidung und Hundefutter abgegeben. „Hunde sind ja oft die einzigen Freunde der Obdachlosen“, weiß Baran. Er findet, dass es in Darmstadt recht viele Obdachlose auf den Straßen gebe. Seine Klassenkameradinnen Emira und Nursena stimmen zu: „Besonders in den letzten Jahren. Früher sah man vereinzelt mal jemanden sitzen, heute sind es ganze Gruppen“, beschreiben sie ihren Eindruck.

 Die Menschen in neuem Licht sehen

Klassenlehrerin Kathrin Baumann erinnert sich: Besonders entsetzt hat die Klasse die Tatsache, dass auch viele junge Menschen schon obdachlos sind – etwa weil ihre Eltern sie vor die Tür gesetzt haben. Das hat die Schüler erschreckt und war für sie sehr einprägsam“.

 Jugendlichen den Weg in eine Einrichtung wie die Teestube zu ermöglichen, hält Andreas Schwöbel daher für besonders wichtig: „Um ihnen einen bestimmten Teil der Lebenswirklichkeit greifbar und dadurch auch begreifbar zu machen“. Baran, Emira und Nursena der 8a jedenfalls sehen wohnsitzlose Menschen nach der Spendenaktion in einem ganz neuen Licht: „Man denkt einfach anders, nachdem man so viel darüber gehört hat“. Durch das Projekt haben sie etwas Wichtiges gelernt: „Dass man anderen Menschen helfen muss“.